T5 Kletter-Ausrüstung – Das richtige Seile

T5 Kletter-Ausrüstung – Das richtige Seile

  • Beitrag zuletzt geändert am:18. Februar 2021
  • Beitrags-Kategorie:Service

Entscheidet sich ein Geocacher dazu, seinen „Horizont“ zu erweitern und von der bisher horizontalen Cacherei in die Vertikale zu wechseln, steht er oder sie zunächst vor einem Berg von Fragen. Und auch gestandene T5-Cacher stehen in regelmäßigem Turnus vor der Qual der Wahl, wenn es um ein entscheidendes Teil der T5 Kletter-Ausrüstung das richtige Seil geht.

Wir kümmern uns heute nicht um alle Fragen, sondern fokussieren uns auf das Seil. Ohne ein geeignetes Seil geht gar nichts. Das ist wohl eine der unumstrittensten Tatsachen, wenn es um erkletterbare Caches geht. Ganz einfach also, oder? Der Seilkauf ist bestimmt kein Problem, die Wahl des richtigen Abseilgerätes aber vielleicht schon? Leider müssen wir Euch an dieser Stelle enttäuschen. Ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht.

Zwar ist klar, welches Seil wir für die meisten der vorhandenen Klettercaches verwenden wollen, doch hilft uns die pauschale Aussage „es sollte ein statisches Seil sein“ nur sehr bedingt weiter. Geschmäcker sind verschieden, so auch bei der Wahl des Seils. Wir können nicht sagen: Das Seil ist gut und das nicht. Jedes Seil hat seine Vor- und Nachteile. Sicherlich sind einige davon nur subjektiv zu bewerten. Jeder von uns hat ein anderes „Seilgefühl“. Probieren geht über Studieren.

Gelbes seil mit beschriftung
Auf der Bandarole sind die Länge, der Typ und der Durchmesser des Seils vermerkt.

Objektiv betrachtet haben Seile allerdings sehr viele Parameter, die man im Vorfeld beurteilen und damit die Auswahl einschränken kann. In einer Tabelle haben wir ein paar Herstellerangaben von bevorzugten Seilen für das T5 Klettern zum Vergleichen zusammengetragen. So können wir vielleicht die schier endlos erscheinende Auswahl an Angeboten auf ein übersichtliches Maß einschränken.

Auf den folgenden Seiten möchten wir Euch einige Tipps und Ratschläge geben, Fragen beantworten und Euch bei Eurer Kaufentscheidung unterstützen. Im Groben unterscheidet man zwei Seiltypen, mit welchen geklettert wird. Dynamische Seile zum Sportklettern in Hallen oder am Felsen für Toprope und Vorstieg, sowie halbstatische Seile, die auch semistatische Seile genannt werden, zum Aufstieg am Fixseil. Im Fachjargon werden semistatische Seile auch einfach nur Statikseile genannt, da es wie vorher erwähnt, nur diese zwei Obergruppen von Seilen gibt.

Semistatische Seile die zum Klettern, also für Personenlasten geeignet sind, müssen nach der Europäischen Norm (EN) 1981 zertifiziert sein. Die gängigen Kletterseile entsprechen in dieser Norm dem Typ A. Ein semistaisches Kletterseil ist deshalb nicht wirklich statisch, weil die Restdehnung laut Norm bis zu 5% betragen darf. Die Norm schreibt weiterhin vor, dass die Seile eine Mindestbruchlast von 22kN halten müssen. Mit einem Knoten oder einer Endvernähung müssen sie noch 3 Minuten lang mindestens 15kN halten (also umgerechnet 2,2 bzw. 1,5 Tonnen).

Daher ist es wichtig den richtigen Knoten für die jeweilige Situation zu wählen um die 15 kN in jedem Fall auch erfüllen zu können. Viele Seile haben aufgrund ihres Aufbaues weit höhere Bruchlasten. Diese Sicherheitsreserven sollten aber nie herausgefordert werden! Bei den erwähnten Seilen handelt es sich genauer um Kernmantelseile. Im Inneren befinden sich gedrehte Litzen, welche die Last tragen. Die Anzahl der Litzen bestimmt am Ende maßgeblich die Dicke und die Bruchlast des Seils. Der Mantel, der drumherum geflochten ist, hat nur die Funktion die inneren Litzen zu schützen.

Eine rot weiße Öse
Eine Öse kann fast bei jedem Seil zusätzlich bestellt werden. Sie sollte auf alle Fälle von einem Fachmann angefertigt werden. Dann hält sie auch.

Ist also der Mantel beschädigt, muss das Seil vorerst ausgesondert werden. Es ist möglich die defekte Stelle aus dem Seil schneiden. Damit habt Ihr dann zwei kurze Seile, die Ihr weiter verwenden könnt. Der Durchmesser eines Seils kann stark variieren. Es gibt Seile in jeglichen Stärken. Die gängigsten Seildurchmesser liegen zwischen 10,5mm und 11mm. Einige Geräte wie der Petzl ZigZag oder der LockJack von ART benötigen Seile bis 13mm Stärke.

Neben den erwähnten Seiltypen gibt es auf dem Markt so genannte Unicore Seile, bei welchen der Mantel mit dem Kern verklebt, verschmolzen oder verflochten ist. Hierbei tritt keine Mantelverschiebung auf und mit einem Manteldefekt ist die Wahrscheinlichkeit geringer an den Kernlitzen mit samt dem Mantel bei einer Beschädigung herunterzurutschen.

Das CE-Zeichen auf den Seilmarkierungen mit seiner vierstelligen Zahl sagt hoffentlich nicht aus, dass es sich um einen „China Export“ handelt, sondern dass dieses Seil für den Europäischen Markt (Communauté Européenne) geprüft und zugelassen ist. Da es sich bei Seilen, so wie allen anderen Kletterartikeln um eine persönliche Schutzausrüstung, in diesem Fall PSAgA (persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz der Kategorie 3) handelt, muss die Kennziffer des Prüflabors, welches das CE Zeichen vergeben hat mit angegeben sein. So steht auf einem Seil beispielsweise CE 0123.

Wenn ihr ein Seil vorliegen habt, aber nicht genau wisst, um welchen Typen es sich handelt oder wie alt es ist, könnt Ihr es am Ende einmal aufschneiden. Ihr werdet zwischen den Litzen einen Kennfaden vorfinden. Auf dem Kennfaden sind alle relevanten Angaben zu dem Seil vorhanden. Es könnte sich aber auch um bunte Fäden handeln. Die Aufschlüsselung findet ihr dann auf der Webseite des Herstellers.

Schwarzes Seil aufgschnitten mit weißen fäden
Der Aufbau eines Seiles: Der Seilkern (weiß) und der Mantel (schwarz) hier bei Petzl ist auf einem Band Typ und Produktionsjahr vermerkt und in den Kern mit eingelassen.

Immer wieder kommen Diskussionen auf, ob ein neues Seil vor dem ersten Gebrauch gewässert werden muss. Klare Antwort: Ja. Fast alle Hersteller schreiben dies in Ihrer Bedienungsanleitung vor. Und das nicht ohne Grund. Seile werden beim Wässern etwas dicker und dadurch schrumpfen sie auch in ihrer Länge. Dies führt zu einer verbesserten Haftung zwischen Mantel und Kern. Produktionsrückstände wie Trennmittel (verhindern dass die Seile während der Produktion zusammen kleben) sollen ausgespült werden. Die Wässerungszeit variiert je nach Hersteller zwischen ein paar Stunden und Tagen. Der genaue Zeitraum ist ebenfalls in der Bedienungsanleitung zu finden.

Ein Seil kann auch mal gewaschen werden, wenn es schon oft gebraucht und verdreckt ist, denn Schmutz in den Fasern könnte eine vorzeitige Alterung herbei führen. Auch lässt es Geräte, in denen das Seil läuft, vorzeitig verschleißen. Aber bitte beachten: Nur waschen wenn es nötig ist. Zu oft waschen ist auch nicht gut! Eine Runde in der Waschmaschine mit max. 30° (am besten im Schongang), kann das Seil gut vertragen. Es sollte jedoch nicht geschleudert werden.

Auch in der Badewanne kann es per Hand gereinigt werden. Dem Wasser wird generell kein Reinigungsmittel beigegeben. Im Handel sind gewisse Seilshampoos erhältlich. Diese bringen natürlich einen besseren Reinigungseffekt als nur einfach klares Wasser. Seilshampoos sind für unter 10 Euro als 500-MilliliterFlaschen erhältlich und sollten strikt nach Herstellerangaben verwendet werden.

Langes seil in einem blauen Eimer mit Wasser
Grundsätzlich soll jedes neue Seil vor dem ersten Einsatz gewässert werden. Die Wässerungszeit ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich.

Die Trocknung nimmt einige Zeit in Anspruch. Das Seil sollte natürlich nicht in den Trockner, sondern in einem gut belüfteten Raum aufgehängt oder ausgebreitet werden. Es kann einige Tage dauern bis es komplett durchgetrocknet ist. Bitte auch nicht Seile draußen auf der Wäscheleine trocknen, da die UV-Strahlung schädlich für die Kunstfaser ist, die dadurch vorzeitig altert und porös wird.

Die Lagerung eines Seils spielt ebenfalls eine große Rolle. Seiltaschen sind sehr gut, um temporär zu lagern und zu transportieren. Bitte nie euer Material längere Zeit im Auto liegen lassen. Feuchtigkeit und große Temperaturunterschiede sind schädlich. Bei längerem Nichtgebrauch, z.B. im Winter, ist es ratsam Seile aus den Taschen zu nehmen und als Seilpuppe in einem geeignetem, trockenen und gut belüftetem Raum zu verstauen. Die Lebensversicherung beim Klettern ist das Seil, daher achtet vor und nach dem Gebrauch auf einen ordnungsgemäßen Zustand.

Defekte Seile werden nicht verwendet und auch nicht wieder verstaut. Ein Seil gilt als defekt, wenn es starken Abrieb, Aufpelzung oder Risse aufweist. Sofern die weißen Kernlitzen zu sehen sind, bitte nicht mehr reinhängen. Fühlbare Quetschungen oder Stauchungen, sowie Überbeanspruchung in Seilbahnen oder bei Stürzen können ebenfalls zur Aussonderung führen.

Ein anderes Thema sind Einwirkungen durch chemische/ lösungsmittelhaltige Stoffe. „Chemie an meinem Seil? Ich bin doch kein Industriekletterer. So etwas kommt bei mir nicht vor!“ Oh doch, kann es! Achtet bei der Lagerung im Keller darauf, dass die Farbtöpfe und Behälter mit Verdünner weit genug weg stehen. Am besten in einem anderen Raum. Transportiert keine chemischen Substanzen gleichzeitig mit Eurem Klettermaterial im Kofferraum.

Und was war da mit den Lost Places? Alte Fabriken und Stollen wo früher eventuell chemische Stoffe hergestellt und gelagert wurden? Gleiches gilt für Beschriftung mit Permanentmarker oder Farbe. Zuletzt sagt der Hersteller, wie lange das Seil maximal genutzt werden darf. Die Rede ist von der Ablegereife nach Herstellerangaben. Diese kann stark variieren, meist zwischen 5 und 10 Jahren. Informationen dazu findet Ihr wie immer in der Bedienungsanleitung.

Abbildung Statikseile im Überblick: